Jugendkulturen im digilogen Zeitalter
Wir werden auch in diesem Jahr wieder eine Reihe interessanter Aktivitäten entfalten. Hiermit möchten wir auf eine neu begonnene Kooperation des Deutschen Digital Instituts und der Freien Universität Berlin hinweisen. Wir werden uns künftig mit dem Schwerpunkt Jugend und Medien befassen.
Vor allem durch Mediennutzung haben sich heute kulturelle Gruppen entwickelt, bei denen der Faktor Alter nur noch teilweise Einstellungen und Verhalten erklärt. An dessen Stelle sind zahlreiche Mediennutzungsmuster getreten, die meist altersunabhängig sind. Damit sind zugleich Währungen wie „werberelevante Zielgruppe“ sowie Demografie häufig veraltet.
Dieses Thema möchten wir während eines Pressegespräches vertiefen und laden Sie daher herzlich zum gemeinsamen Workshop des Deutschen Digital Instituts, der Freien Universität Berlins und der Berlin Media Professional School (BMPS) ein.
Termin: 23.Januar 2008, 11: 00 bis 13: 00 Uhr
Veranstaltungsort: Lounge des Tape Club, Heidestraße 14 (Tor 29), 10557 Berlin (siehe Foto)

Pressemitteilung des Deutschen Digital Instituts zu diesem Workshop:
„Jugend“ ist heute an keinen Lebensabschnitt mehr gebunden, sondern ein Generationen übergreifendes „Lebensgefühl“. „Jugendkulturen“ stellen deshalb zunehmend altersunabhängige „Medienkulturen“ dar. Das ist die Ausgangsthese eines gemeinsamen Forschungsprojektes der BerlinMediaProfessionalSchool der Freien Universität Berlin (BMPS) und des Deutschen Digital Instituts Berlin mit dem Titel „Jugendkulturen im digilogen Zeitalter“, das im Berliner Club Tape der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
Die beiden Initiatoren Prof. Dr. Klaus Siebenhaar (BMPS) und Prof. Dr. Jo Groebel, Direktor des Deutschen Digital Instituts Berlin, betonen, dass in den letzten Jahren an die Stelle einer alles dominierenden Jugendkultur individuelle, plurale und tendenziell altersunabhängige Mediennutzungsmuster als gemeinschaftsstiftende Faktoren getreten seien. Auch Populärkultur und Werbung bezögen ihre wichtigsten Impulse nicht länger aus der „Jugend“ als altersbegrenztem Maßstab, sondern würden bestimmt durch stark mediengeprägte, individuelle Lebensentwürfe und Verhaltenstendenzen. An – durch die Digitalisierung stark anwachsenden – virtuellen Gemeinschaften und Netz-Communitys könne potenziell jeder teilhaben, ungeachtet seiner demographischen Merkmale, solange die entsprechenden Kommunikationscodes beherrscht würden.
Diese Entwicklung habe gegen Ende des 20. Jahrhunderts begonnen und sei inzwischen mit der Überführung der „alten“ Jugendkulturen in altersunabhängige „Medienkulturen“ weitgehend vollzogen. Insgesamt seien die traditionellen Lebensalterbestimmungen gerade an den Polen „Jugend“ und „Alter“ einem radikalen gesellschaftlichen und wahrnehmungsästhetischen Wandel ausgesetzt: „Jugend“ sei nicht mehr nur ein begrenzter Lebensabschnitt, sondern als „Jugendlichkeit“ ein andauerndes Lebensgefühl. Damit bezeichne der Begriff „Jugend“ kein Altersmerkmal mehr.
Während der Vorstellung des Projekts betonte Bernd Schiphorst, Vorsitzender des Beirates des Deutschen Digital Instituts Berlin, dass den durch Digitalisierung zu konstatierenden großen Veränderungen der Gesellschaft keine entsprechende Förderung der Digitalisierung durch Staat und Gesellschaft gegenüber stünde. Die Generalsekretärin der ARD, Frau Dr. Verena Wiedemann, sah als Konsequenz der Befunde von Siebenhaar und Groebel, dass die Währung „Jugend“ innerhalb der Planung der traditionellen Medien auf den Prüfstand gehöre. Siebenhaar bestätigte diese Schlussfolgerung und betonte, dass Jugendkulturen gerade in ihren aktuellen medialen Ausprägungen stärker qualitativ, d.h. über Themen und „Spezialinteressen“ als über Habitus oder quantitative Nutzung zu bestimmen seinen.
Der Direktor des Deutschen Digital Instituts, Jo Groebel, prognostiziert darüber hinaus als Ergebnis des geplanten Forschungsvorhabens eine weitreichende Revision des Generationenbegriffs sowie konkret eine Auflösung der bisherigen, altersabhängigen Zielgruppenansprache in Werbung und Medienplanung.
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